MEDIA | MUSIC | JAZUL - INDA COMMUNE

Inda Commune
Primazo
Oh Nee-Ne
It's What You Make It
Biolectric
Primazo (Reprise)
El Pasaje
Mar Abierto
Miles & Moik
And Summer Passed Us By
Spock On
Baritone Lullabye

Jazul - Inda Commune


„Jazz has a sense of humour“ nannte Horace Silver eines seiner letzten Alben. Eine Einschätzung, die nicht allzu oft geteilt wird, zumal in einem Land wie Deutschland, wo das Publikum auch beim Jazz gerne bierernst auf eins und drei mitklatscht. Den Wahl-Hamburger und NDR-Trompeter Ingolf Burkhardt aber ließ die Sehnsucht nach Spaß und Groove, nach fröhlicher Grenzüberschreitung in Richtung Soul und Pop nicht los. Also suchte er vor vier Jahren Mitstreiter, um die Formeln und Beschränkungen des klassischen Jazz zu verlassen.

Er fand sie in ganz verschiedenen Ecken der Hamburger Musikszene: Der stiloffene deutsch-spanische Jazzgitarrist Roland Cabezas bediente seine Gitarren bereits bei unterschiedlichen Größen wie Toni Braxton oder Jan Garbarek, seit drei Jahren ist er nun auch festes Bandmitglied beim Percussionisten und Weltmusik-Star Trilok Gurtu. E-Bassist Achim Rafain sah und hörte man eher im Soul und Pop und hat sich unter anderem als Begleiter von Stefan Gwildis oder den No Angels einen Namen gemacht. Drummer David „Dezzie” Paulicke schließlich war und ist vor allem in der schillernden Hamburger Hip-Hop-Szene zu Hause.

Jeder legte seine speziellen Qualitäten in die Waagschale, und fertig war JAZUL, eine spaßorientierte NuJazz-Band, die nichts von Bebop über Funk und Soul bis zu Latin oder Pop links liegen lässt, solange es Groove hat und spielerischen Glanz ermöglicht. Mit den zwei Alben What. . . ? und That. . .! erspielten sie sich bereits eine begeisterte Fangemeinde, nun folgt mit Inda Commune der dritte Streich. Und wieder überzeugt Jazul durch spieltechnische Finesse, überragende Vielseitigkeit und einer kräftigen Portion Humor.

Natürlich spielt Burkhardts Trompete wieder eine Hauptrolle, ob er sie wie in „...and summer passed us by“ butterweich schweben oder auf „Biolektrik“ harte Funk-Licks mit Mariachi-Klängen koppelt; ob er beim Titelstück soulige Linien zieht oder bei „It’s What You Make It“ ein Bebop-Motiv des von ihm verehrten Clifford Brown mit Disco-Beats der Band vermählt („Trompetenporno mit Groovegesang für die Gemeinde“, wie selbst scherzhaft sagt) oder mittels einer kleinen Unterlegscheibe aus dem Baumarkt auf „El Pasaje“ einen luftigen Sound erzeugt; ob er bei Miles Davis spickt oder den High-Note-Königen Konkurrenz macht. Und auf dem autobiographisch angehauchten („Mir passieren andauernd völlige Verpeilungen“) „Oh Nee Ne“ glänzt er auch als englisch-badischer Spaß-Rapper.

Und doch bleibt JAZUL eine demokratische Band. Nachdem bei vielen Auftritten die spanische Version von Stings „Fragile“ großartig ankam, steuert Roland Cabezas mit „Mar Abierto“ eine zauberhafte spanische Ballade bei, bei dem sich der Hörer fast an den Strand in Malaga versetzt fühlt, an dem der Song entstanden ist. Ganz im Zeichen seiner Gitarre steht auch der versunken-träumerische Schlusspunkt „Baritone Lullaby“, auf einer Bariton Gitarre gespielt.

Star-Treck-Fan Achim Rafain wiederum ließ sich für das sphärische „Spock On“ von einer Kino-Szene inspirieren, in welcher der vulkanische Commander Spock auf einer Harfe interstellare Harmonien zupft, und imaginiert bei „Miles & Moik“, wie es wohl gelungen hätte, wenn Miles Davis eine Einladung für den Musikantenstadel erhalten und sich dementsprechend an einfachere und härtere Rhythmen gemacht hätte. Mit einem von ihm umprogrammierten Bass-Synthesizer, dem sogenannten „V-bass“ ersetzt er bei JAZUL das keyboard und zeichnet so für den unverwechselbaren JAZUL-Sound verantwortlich.

Dezzie Paulicke („...ich will die Party...!) liefert zu allem die unbestechliche und stets variantenreiche rhythmische Grundlage und steuert den Titelsong „Inda Commune“ bei. Der wurde beim Hören einer James Brown Aufnahme kreiert (aus „Get up!“ und „Come on!“ wurde „Was geht ab?“ und „Commune“). In einer Zeit leerer kommunaler Haushaltskassen kann man sich die Frage allerdings auch im echten Leben stellen: Was geht ab in der Kommune?

Alle gemeinsam beweisen sie, dass überragend gespielter, melodiöser und druckvoller Groove-Jazz auch aus Deutschland kommen kann. Und liefern nicht zuletzt dafür den definitiven Beleg: German Jazz has a sense of humour...